Radio Sutatenza

Ein Stück interessanter kolumbianischer Geschichte haben wir im Rahmen des Kurses „Problemas Sociales Colombianos“ entdeckt. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hat ein katholischer Pfarrer,  José Joaquín Salcedo Guarín, versucht, die ländliche Bevölkerung mit einem ausgereiften Institut, der Acción Cultural Popular, zu bilden, um ihren Lebensstandard zu verbessern. Die Basis davon war Unterricht über das Radio, aber ergänzt durch unterschiedlichste Materialien. Zur Zeit gibt es eine Ausstellung in meiner Nähe, die wir auch besucht haben.

Schade, dass diese Einrichtung trotz bestehender Probleme nicht mehr existiert…

Wen’s interessiert (leider „nur“ auf Spanisch):

https://es.wikipedia.org/wiki/Acci%C3%B3n_Cultural_Popular

 

 

UR-Festival

Gestern hat unsre Uni tatsächlich ein Festival am Nordcampus veranstaltet, mit live-Musik, jede Menge Essensständen und anderen Events… War zwar nicht der Burner, aber immerhin.

Neue Arztstory

Ich hatte doch von unserem Horrortrip ins Krankenhaus und zu 2 anderen Ärzten erzählt, der leider ohne Ergebnis blieb…

Gestern waren wir endlich erfolgreich, nachdem wir einen deutschsprachigen Arzt aufgesucht hatten. Er kommt eigentlich aus Polen, hat aber in Wien studiert, dann in Guatemala gearbeitet und ist jetzt in Kolumbien hängengeblieben. Wir haben über 3 Stunden dort verbracht (ohne Wartezeit zu Beginn!) und mehr als 300€ dagelassen, aber nach gründlicher Untersuchung, mehreren Tests und Proben kam heraus: Meine Freundin hat Parasiten… Giardia… googelt lieber nicht haha… Neben der endlich eindeutigen Diagnose und den richtigen Medikamenten haben wir auch noch einige interessante Infos des Arztes bekommen:

  • Seit 74 Jahren plant Bogotá ein Metrosystem. Wegen der Korruption passiert aber in der Praxis trotz Unmengen an Geld nichts. Das Jubiläum der Planung (!) wird aber trotzdem gefeiert…
  • Genauso korrupt geht es bei den Ärzten zu. Auch wir haben bei den Kosten die schnelle Laboruntersuchung im Krankenhaus mitbezahlt, was er uns offen gestand.
  • Es gab ein Stadtviertel „Bronx“, das von den Ärmsten und Obdachlosen bewohnt wurde. Naachdem 4000 Soldaten das Barrio geräumt haben und die Stadt ihren „Erfolg“ gefeiert hat, haben sich die ehemaligen Bewohner auf den Rest der Stadt, v.a. das Zentrum (meine Heimat) verteilt… Das Problem ist vor allem Crack, von dem viele abhängig sind und für das sie alles tun… Eine der ersten Fragen des Arztes an uns deshalb:  „Habt ihr immer ein Messer dabei?“
  • Die Autos der Bewohner dürfen je nach Plakette nur an bestimmten Tagen fahren, weshalb viele Bewohner (natürlich die, die es sich leisten können) 2 Autos besitzen…
  • Jedes Jahr findet eine Art Tüv statt, wobei es aber nur aufs Äußere ankommt… Die Plaketten müssen schön gelb sein (das Auto des Arztes ist auf Grund mangelnder Färbung letztes jahr durchgefallen) und alles blitzblank sauber (bei der Säuberung des Motors haben sie ihn kaputtgeputzt…)

Gratiskonzert

Am Mittwoch hat die Universidad Nacional, die größte Uni Kolumbiens mit Unis im ganzen Land ihr Jubiläum gefeiert, indem sie ein Gratiskonzert veranstaltet hat. War natürlich mega voll, aber auch ziemlich gut. Gespielt haben das Orchester der Uni, der Salsa-Sänger Yuri Buenaventura mit Band und die kolumbianische Band Herencia de Timbiquí. Trotz Regen am Ende und langem Warten am Anfang war es alle Mühen wert!

Herencia de Tibiquí:

Yuri Buenaventura:

Herencia de Timbiquí:

 

 

 

Jazz-Konzert der Universidad Nacional

Gestern haben wir uns mal wieder was Musikalisches gegönnt, die Big Band der U-Nacional, die gar nicht so big, aber dafür unglaublich gut war, hat ein Konzert gegeben und es geschafft, sogar mich zu begeistern.

Programm waren Stücke von Duke Ellington und anderen Komponisten.

Heute geht’s schon weiter mit der Musik, die angeblich bekannte kolumbianische Band Herencia de Timbiquí gibt ein Konzert, das wir uns nicht entgehen lassen wollen 🙂

Reggaefestival

 

Dieses Wochenende haben wir uns ein Reggaefestival in einer Finca in Melgar (ca. 2,5h Stunden von Bogotá entfernt) gegönnt. Bei über 30°C haben wir Pools und geile Musik genossen. Der Weg dorthin war aber alles andere als angenehm, wir (eine französische Freundin, Joza und ich) haben uns Morgens bei Joza getroffen, wo ich dann feststellen musste, dass ich meine Eintrittskartevergessen hatte… Also lief ich zurück (das sind ca. 10 Minuten Fußweg) und holte sie. Der Plan war, dass die anderen derweil ein Taxi riefen und mich dann abholten, um weiter zum Treffpunkt für den Bus zu fahren. Der Taxifahrer verfuhr sich aber (was für ein Idiot), sodass sie fast eine halbe Stunde unterwegs waren, bis sie bei meinem Haus ankamen. Weil wir dann wirklich knapp dran waren, gab er ziemlich Gas – und fuhr einen Hund an… Wir haben alle einen riesen Schreck bekommen, der Fahrer sagte kein Wort und fuhr einfach weiter… Wir wissen nicht, ob es ein Straßenhund war oder nicht, wir sahen ihn nur davonhumpeln und das Jaulen werde ich nie vergessen. Jetzt im Nachhinein hab ich ein mega schlechtes Gewissen, nicht darum gebeten zu haben, anzuhalten… Aber wir waren vollkommen geschockt…

Ziemlich gestresst und immer noch in Schockstarre sind wir dann am Bus angekommen, der erst eine Stunde später abfuhr, wofür die ganze Eile??

Das Festival war dann aber umso besser, ich war mir nicht bewusst, dass Reggae so geil sein kann. Wir haben die ganze Nacht tanzend verbracht, vor allem die Dub Area war genial. Und die Leute, alle so entspannt und offen. Die live acts waren ziemlich gut, wenn auch teilweise mehr ein Mix aus Reggaeton und Dancehall als Reggae. Höhepunkt war die Argentinierin Alika (klick!)

Ziemlich erledigt kamen wir gestern Abend zurück und lernten dann für ein parcial in Problemas sociales colombianos heute… Lief so mittelmäßig haha…

 

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

Wir haben es ja versucht…

Heute gibt’s eine kleine Anekdote, die sich letzten Freitag zugetragen hat… Eine deutsche Freundin und ich haben uns nämlich auf den Weg ins Krankenhaus gemacht, da ihr seit Wochen übel ist und eine Schwangerschaft definitiv auszuschließen haha.

Nachdem sie den unieigenen Arzt abgehakt hatte, der ihr ohne eindeutige Diagnose unter anderem ein Wurmmittel und ein Medikament gegen Übelkeit während einer Chemotherapie verschrieben hatte, wollte sie sich eine zweite Meinung einholen.

Unser Trip entwickelte sich dann aber anders als geplant… Im Krankenhaus angekommen sagte man uns, wir müssten über 200.000 pesos zahlen (da das KH nicht mit ihrer Versicherung zusammenarbeitet) und mit 6 Stunden Wartezeit rechnen.

Das wollte wir uns nicht antun und liefen zu einem Arzt in der Nähe. Es stellte sich aber heraus, dass der bereits um 4 Uhr Feierabend gemacht hatte.

Also nahmen wir einen Uber zu einem dritten Arzt, der im Internet eine sehr gute Bewertung hatte und der einzige war, der Freitag Abend geöffnet hatte. Dort angekommen wurden wir unfreiwillig zur Attraktion der ganzen Praxis. Die etwas betagte Sprechstundenhilfe war vollkommen aus dem Häuschen, dass 2 Gringos in ihre Praxis kamen. Voller Euphorie hat sie uns erstmal allen Wartenden, die auf weißen Plastikstühlen im Wartezimmer saßen und sich von einem Röhrenfernseher berieseln ließen, vorgestellt. Danach notierte sie die Daten meiner Freundin, wobei sie uns dauernd mit „tan lindas las dos“ („so lieb/ süß die beiden“) Komplimente machte. Computer gabs nicht und der Name meiner Freundin stellte eine riesige Herausforderung für sie da. Buchstabe für Buchstabe hangelte sie sich durch den Pass und wiederholte den Namen in allen möglichen und unmöglichen Varianten laut, während wir uns das Lachen nicht verkneifen konnten. Als wir dann Platz nahmen, führten wir ein lustiges Gespräch mit einem kleinen Jungen und seiner Mutter, die auch ganz angetan von uns waren. Der Kleine kannte sogar den FC Bayern München.

Schließlich kamen wir dran. Und uns erwartete ein richtiger Opi… Aber immerhin verfügte er über einen Laptop! Wobei er beim Datenaufnehmen, die ihm seine Sprechstundenhilfe diktierte, genau so große Probleme hatte wie sie. Zehnfingersystem war auch nicht so sein Ding, der ganze  Organisationskram dauerte länger als die folgende Untersuchung. vielleicht auch, weil wir dreimal durch private Anrufe des Arztes unterbrochen wurden, die natürlich angenommen werden mussten, oder die Sprechstundenhilfe einen Café servierte.

Die einzige Diagnose war dann: angeschwollene Schilddrüsen, weitere Untersuchungen notwendig! Das Ganze wirkte aber nicht sehr vertrauenserweckend; nachdem wir einige per Hand geschriebene Zettel in die Hand gedrückt bekommen hatten mit der Anweisung nächste Woche nochmal zu kommen, verabschiedete sich die Sprechstundenhilfe mit innigen Umarmungen und den besten Wünschen…

Diese Woche geht’s zu einem Deutschen Arzt…