El Caño Cristales

Ich war dieses Wochenende mit zwei deutschen Freundinnen in einem neuen Teil Kolumbiens unterwegs. Und zwar in La Macarena, ca. 300km Luftlinie südlich von Bogotá (La Macarena).Bis vor kurzem war die Zone nicht betretbar, da von der Guerilla besetzt, gewesen, heute blüht dort aber der Tourismus.

Der Grund für diesen teuren Spaß war der Caño Cristales, ein Flussystem, das als „der schönste Fluss der Welt“ bezeichnet wird. Bestimmte Pflanzen lassen das Wasser vor allem bei Sonnenschein in Gelb-, Rot-, Schwarz- und Grüntönen leuchten. Deshalb sind wir Samstag Morgen in den Flieger gestiegen und an einem Miniflughafen (glich mehr einem Bahnhofsgebäude) gelandet. 30° und super schwül… War aber nicht anders zu erwarten, wir waren dem Amazonas relativ nahe. Da man dieses Naturschutzgebiet nur geführt betreten darf, hatten wir über eine Organisation gebucht, eine Guía war für die 3 Tage für uns zuständig. Unsre Gruppe bestand aus einem kolumbianischen Pärchen, zwei Brasilianischen Chicos und uns Dreien. Zuerst ging’s in ein mittelmäßiges Restaurant, dann ins ziemlich noble Hotel (jeder von uns hatte ein eigenes Zimmer mit Doppelbett, Bad und Ventilator. Das Dorf ist wie ich mir Kolumbien vorstellte, bevor ich nach Bogotá kam. Kleine Häuser und Hütten, jede Menge Läden, kaum Teerstraßen, überall das pure Leben, Hauptfortbewegungsmittel Motorräder, unzähle Kinder überall, Pferde und Hunde und andre freilaufende Tiere… Nachmittags haben wir den ersten Ausflug zu einer Stelle am Fluss gemacht. Um dort hinzukommen, gings aber erstmal in Jeeps über Feldwege voller riesiger Pfützen, Schlaglöcher und Steinen… Aber die Fahrt hat sich gelohnt, wir haben um eine kleine Finka herum eine Vielzahl an Tieren gesehen, von Pfauen über Tukane bis hin zu Aras. Und ein Stück weiter kam dann der Fluss, leider an dieser Stelle ohne Farben, aber trotzdem wunderschön, man fühlte sich wie mitten im Regenwald. Abend haben wir dann eine Volkmusik/-tanz-Vorführung bekommen, vor allem die Tanzkünste der Kinder waren unglaublich…

 

Der nächste Tag ging tatsächlich um halb 6 los… Wobei die Brasilianer ihrem Klische alle Ehre machten und uns etwas warten ließen. Nach einem Frühstück so früh am Morgen, das aus Rührei mit Zwiebel und Tomate (huevos pericos), einer Scheibe Weißbrot mit Käse und Arepa de queso sowie heißer

Schokolade bestand, ging’s dann los… Und wir hatten nicht mit dem gerechnet, was dann kam: 15 Minuten Bootsfahrt, Kontrolle des Gepäcks (keine Sonnencreme sowie Plastikflaschen erlaubt, zum Schutz der Natur), halbe Stunde abenteuerliche Fahrt in einem Jeep und schließlich, nach einigen Aufwärmübungen, eine Wanderung von 7 Stunden. Bei schwülsten 33° und mit leider nur 2l Wasser für uns 3 Mädels. War genauso hart wie es klingt. Die Wanderung wurde zwar immer wieder von Badepausen unterbrochen und die wunderschöne Natur war es allemal wert, aber die letzten Kilometer zogen sich ewig und der Durst am Ende war unbeschreiblich… Aber wir haben’s geschafft. Der Preis war ein heftiger Sonnenbrand. Was uns verwunderte, denn die Sonne schien kaum kräftig genug durch die Wolken, um das Farbspiel in voller Pracht zu sehen, aber dafür reichte sie allemal… Leider habe ich vergessen, Strava von Anfang an mitlaufen zu lassen, daher hier nur der letzte Teil: klick! Obwohl wir so fertig waren, verbrachten wir den Abend noch bis spät zusammen mit den Kolumbianern und Brasilianern und einigem an Aguardiente und Bier… Am nächsten morgen standen alle trotzdem wieder um 6 auf der Matte – bis auf die Brasilianer…. war schon etwas witzig. Die haben „wegen des Regens“ (der nach einer halben Stunde aufhörte) auf ihren dritten Tag verzichtet. Der Rest stiefelte diesmal nach einer weiteren kurzen Bootsfahrt durch eine unglaubliche Landschaft voller Pflanzen (aber wegen fehlender Früchte ohne Tiere) zu einem weiteren Flussteil. (klick!)

Nach einer Dusche und dem Mittagessen gings dann wieder nach Bogotá, wo uns mal wieder Regen erwartete…

Weitere Bilder gibt’s, sobald ich darüber verfüge 🙂

PS: Das vegetarische Essen war teilweise reichlicher und besser als das „Normale“.

 

Sonntagsausflug…

Vorgestern haben wir eine kleine Spritztour Richtung Norden unternommen. Nadine und ich und zwei Kolumbianer, Felipe und Sergio. Sergio war so lieb, uns mit dem Auto durch die Gegend zu kutschieren. Zuerst waren wir in den Salzminen von Zipaquirá, samt Kreuzweg und Kirche unter Tage, danach in einer superguten Pizzeria in Suesca und haben danach einen Hügel in der Nähe erklommen. Auf einmal standen wir mitten in der Natur, Vogelgezwitscher um uns herum, sonst nur Stille. Wir haben das so genossen, völliger Kontrast zu Bogotá…

Hier das beste Ergebnis zahlreicher Versuchs eines Besuchers der Salzstollen, ein Foto von uns zu schießen…

Eines der vielen Kreuze des Kreuzweges unter Tage…

Die Kirche, in der man wohl auch heiraten kann…

Wir haben tatsächlich so ein Ding in die Hand bekommen, um unser eigenes Salz zu gewinnen… war ziemlich witzig die Aktion… Und ein Wunder, dass sich die Touristen nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen!

Die Natur auf dem Berg:

Foto vom Selfiemachen mit Sergio

Deli…

Nadine und ich haben uns heute nach dem Russisch-Parcial was gegönnt… mir ist immer noch schlecht…

Peinliche Plakatpanne…

Wisst ihr die Alliteration auch zu schätzen?

Wie ich ja schon öfter angemerkt hatte, der Arbeitsaufwand und die Vielfalt an Arbeitsmethoden hier ist enorm… Für América Latina y el Caribe mussten wir über die Ferien ein Poster erstellen, unser Thema war Subkulturen in Lateinamerika. Da Joza krank ist, hab ich mich gestern nur mit unserer dritten Gruppenpartnerin, einer Engländerin getroffen, um das Plakat zu erstellen. Wir haben also einen großen blauen Karton gekauft, am Computer die Infos zusammen geschrieben, ein paar Bilder gesucht, alles ausgedruckt und auf das Plakat geklebt. Waren stolz auf unser Ergebnis… Tja, es hat sich rausgestellt, dass die Lateinamerikaner alle professionelle Designer zu sein scheinen… Als wir heute deren Plakate gesehen haben, sind wir vor Scham fast im Boden versunken… Gott sei Dank hat uns der Prof noch bis Donnerstag gegeben, da Joza heute nicht zur Uni konnte, ohne unsre Peinlichkeit gesehen zu haben… Nun gut, hab heute alles nochmal neu gemacht, aber hier der Vergleich:

Die Kunstwerke der Kolumbianer:

… und unsre Meisterleistung… ohne weitere Worte…

Was ich vermisse…

  • Käseeeee!! Es gibt Käse hier, aber ungefähr 3 verschiedene Sorten und die sind alle nich so geil…
  • Deutsches Brot, Semmeln und Brezen… es gibt hier Baguettes, Croissants und Toastbrot… Ende der Fahnenstange…
  • Deutsche Schokolade… Es gibt zwar immerhin Kinder-Schokolade, das wars dann aber auch. Die Kolumbianische Jet is leider eklig und alles andere aus Europa extrem teuer.
  • Den Herbst… hier ist immer alles gleich grün…
  • Adventsstimmung, is zwar noch ein bisschen früh, aber während alle zu Hause sitzen und bei kalten Temperaturen Glühwein trinken und Plätzchen essen, laufe ich bei 20° durch das sonnige Bogotá…
  • Und natürlich euch alle 🙂
  • was ich nicht vermisse: Bier (es gibt hier richtig gutes, Club Colombia oder Bogotá Beer Company z.B.); Fleisch auch nicht, esse immer noch vegetarisch 🙂

El Machismo en Colombia

Wie ihr ja wisst, sind die Unterrichtsmethoden hier etwas anders… So haben wir diese Woche einen Film machen müssen. Thema sollte irgendeines der behandelten sein, wir haben uns entschieden, Interviews zum Machismus zu machen. Mit dem Ergebnis sind wir nicht zufrieden, der Moviemaker is leider nicht das Gelbe vom Ei und die Zeit war auch zimelich knapp, aber wen’s interessiert:

El Machismo en Colombia

Kolumbianische Gewohnheiten

Was ich inzwischen noch so alles bemerkt/ erfahren hab…

  • Zahlt man mit Kreditkarte, wird hier auch bei noch so kleinen Beträgen häufig gefragt: „Cuantas cuotas?“, also in wie vielen Raten die Summe abgebucht werden soll… Hab in Deutschland keine Erfahrung mit Kreditkarten, aber dort ist das nicht üblich, oder?
  • Die allgemeine Höflichkeit der Kolumbianer verlangt auch, dass man zum Beispiel beim Einkaufen „me regalas…“ verwendet, also „schenkst du mir…“, und man folgenden Gesprächsfetzen mit Abstand am häufigsten aufschnappt: „Ay, que pena!“ – „Tranquilo/a!“ („Oje, das tut mir Leid!“ – „Ganz ruhig, alles gut/ nix passiert!“. Außerdem wird ein „gracias“ mit „con mucho gusto“ („es ist mir ein Vergnügen“) erwidert, ein einfaches „de nada“ klingt schon fast unhöflich… Und eine Begrüßung ist immer mit Fragen nach dem Befinden verbunden: „Como te ha ido? Cómo vas?…“; Abschiede sind immer von den besten Wünschen begleitet: „Que te vaya bien! Que estés bien! Cuídate! …“
  • Besonders coole Sachen sind „una chimba“ (nicht zu verwechseln mit „chimbo“ – „Penis“) oder „chévere“
  • Die Uni gleicht manchmal einem Marktplatz, da laufen tatsächlich Studenten rum, die sich Geld verdienen, indem sie Snacks verkaufen… in der Uni…
  • Wenn etwas in einer Woche stattfindet, ist das nicht in 7 Tagen, sondern in 8
  • Für gringos gelten die Kleidervorschriften in Clubs nicht, da wird man auch in Nobelschuppen mit Turnschuhen reingelassen. Kolumbianer auf keinen Fall… (in Deutschland wohl eher andersrum…)
  • Während in Deutschland wenn dann Mädchen mit k.o.-Tropfen flachgelegt werden, sind es hier vor allem auch die Jungs. Es gibt richtige Netzwerke von „prepagos“, Mädchen, die sich darauf spezialisiert haben, Jungs in Clubs zu beflirten, sie mit Drogen zu betäuben und sie dann zu bestehlen… Eigentlich angeblich leicht an ihrem freizügigen Kleidungsstil zu erkennen, aber das „Geschäft“ boomt.

Geburtstag auf einer Gay-Party

Joza hatte letze Woche Geburtstag, wir dachten uns: „Lass‘ mal wieder ins Teatron, freier Eintritt und Getränke umsonst…“ Kam aber anders als geplant, Donnerstage stellten sich als „Gay-Tage“ heraus und so tanzten wir als einzige Mädchen inmitten schwuler Chicos. War aber eigentlich ganz gut, kein Angetanze und dafür auch nette Gespräche 🙂 Und die können tanzen, das könnt ihr euch nicht vorstellen, wie die Tanzgötter höchstpersönlich…