Meine letzten freien Tage habe ich genutzt, um sie in der „innovativsten“ Stadt Kolumbiens zu verbringen. Zusammen mit Nadine bin ich am Freitag Nachmittag hingeflogen. Der Flughafen liegt etwas außerhalb, deswegen erstmal mit Uber in die Stadt zu unserem Airbnb. Das sollte sich als die beste Wahl rausstellen, die wir treffen hatten können! Es war ein Appartment für uns 2, mit Küche und Bad und einem unglaublichen Ausblick über die Stadt. Das Lichtermeer aus dem 21. Stock war bei Nacht genial, vor allem, weil wegen Weihnachten überall bunte Lichter blinkten. Eine Passauer Freundin von Nadine, die gerade ihr Praktikum in Panama macht, war auch zusammen mit einer portugiesischen Freundin in der Stadt, mit denen haben wir uns am Freitag Abend getroffen und ziemlich gut gegessen. Während dem Abendessen hat es dann angefangen, wie aus Kübeln zu gießen, was uns den restlichen Abend ziemlich versaut hat. Wir sind durch den Regen gelaufen auf der Suche nach einer Diskothek, als wir schließlich eine fanden, kamen wir ohne Ausweis nicht rein… So gingen wir weiter in eine Bar, blieben dort ein bisschen und fuhren dann aber heim.
Am Samstag haben wir ein bisschen das Zentrum erkundet und ich muss sagen, Medellín ist irgendwie sauberer als Bogotá… Weniger Dreck, weniger Obdachlose, sie haben neben Bussen sogar Metro, Gondeln (dazu später) und Tranvía. Und Bogotá kriegt nichts davon auf die Reihe. Am Nachmittag haben wir eine Tour durch die Comuna 13 gemacht, ein eher armes Viertel Medellíns, in dem sie aber Rolltreppen errichtet haben, um die Mobilität zu erhöhen, da es sich einen steilen Hang hinaufzieht. Unser „Guide“ kam selber aus dem Viertel und hat uns herumgeführt. Früher war die Gegend gekennzeichnet von Gewalt und Verbrechen, seit ein paar Jahren ändert sich die Situation aber. Er betonte immer wieder, das das Leben in dieser Zone nicht nur negativ ist, sondern dass er vor allem das Gemeinschaftsgefühl zu schätzen weiß. Er erzählte zum Beispiel, dass er alleinerziehender Vater ist, aber eigentlich doch nicht, da er sich immer auf seine Nachbarn verlassen kann, wenn er einmal nicht auf seinen Sohn aufpassen kann. Er arbeitet in einer Organisation, die sich für eine Verbesserung des Lebensstandards dort einsetzt. So zogen wir duch das Viertel, das gar nicht sooo an einen Slum erinnert, wie man sich das vielleicht vorstellt, waren beeindruckt von den Leckereien, die er uns präsentierte (Churros, Eis, Kaffe…), von den Graffiti, die an allen Wänden zu finden sind, bekamen eine Tanzvorführung von 3 Kindern, die dort lebten und wurden letzten Endes von einem heftigen Regenschauer „überrascht“. Die Tour endete im Quartier der Organisation, wo gerade ein Tattoostudio eröffnet worden war. Und so kam es, wie es kommen musste – ich hab jetzt ein Tattoo. Ziemlich spontan, aber eigentlich doch wieder nicht, denn ich wollte mir sowieso eines machen lassen, bevor es wieder nach Hause geht. Was es ist, verrat ich nicht 🙂
Abends gingen wir dann in einen Club, der uns empfohlen worden war, war deutlich besser, als am Vortag!
Am Sonntag trafen wir uns mit 3 Medellinern, die die Deutsche Freundin von Nadine kannte, aßen Bandeja Paisa zu Mittag, ein typisches Gericht mit Bohnen, Plátano, Reis und verschiedenem Fleisch. Ich verzichtete, probierte aber Cazuela, eine Art Bohneneintopf, eigentlich auch mit Fleisch, aber es gab eine vegetarische Version 🙂
Am Montag fuhren wir mit dem Bus nach Guatapé, ein kleines Dorf, 80km östlich von Medellín. Wir stiegen allerdings etwas vorher aus, an einem kleinen Naturwunder, la Piedra el Peñol. Der Stein von 220m Höhe, der mitten in der Lndschaft steht, ist irgendwie auf Grund eines Vulkans in der Nähe entstanden. Indem man über 700 Stufen hochsteigt, erreicht man den Gipfel und hat einen einmaligen Blick über die Landschaft. Diese besteht zum Großteil aus Wasser, unzählige Seen und Lagunen, die durch Aufstauen des Río enstanden sind. Der Ausblick zeigt, dass es sich zwar um ländliches Gebiet handelt, hier aber durchaus reiche Familien Villen besitzen. So zum Beispiel auch Pablo Escobar, 4 Fincas… Das erfuhren wir, in Guatapé angekommen, auf einer einstündigen Bootsfahrt vom „Kapitän“.
Wieder zurück in Medellín verbrachten wir den Abend mit den Medellínern in unserem Apartment. Unser Vermieter war auch da, wir hatten ihn eingeladen, da er mega sympatisch war und wir den nächsten Tag mit uns verbringen wollte. So planten wir unsern Ausflug, der ziemilch cool werden sollte.
Am nächsten Morgen fuhren wir mit ihm zusammen per Metro und danach mit der Gondel in den Parque Arvi, ein Flecken purer Natur. Die Gondel fährt über arme Teile Medellíns und wir sahen nun wirklich slum-ähnliche Zustände von oben. Je höher man kommt, desto mehr wird Ziegelstein zu Holz, die Hütten immer kleiner, irgendwann denkt man, man ist auf dem Land. Kühe inbegriffen. Viele der Menschen, die hier wohnen, wurden während der Violencia vertrieben und fanden hier ein neues Zuhause. Juan, unser Vermieter, meinte, sie hätten zwar nicht viel, aber seien glücklich. Wer weiß… Im Park angekommen, machten wir einen geführten Spaziergang und genossen die abgasfreie Luft. Danach aßen wir in einem vegetarischen Restaurant im Park, es war mega gut! Sogar unser Vollblutkolumbianer war begeistert 🙂 Wieder im Zentrum angekommen, spendierte er uns ein Eis, zeigte uns seine Läden (er ist Modeproduzent) und brachte mich später mit dem Motorrad zur Haltestelle der Sammeltaxis. Mein Flug hatte mega Verspätung, deshalb saß ich ohne Handy ewig am Flughafen rum und wurde ziemilch sentimental… Meine letzte Reise ging zu Ende… Und Juan, mit dem wir einen genialen Tag hatten, würde ich so schnell nicht wieder sehen… Aber ich komme zurück, es gibt noch viel zu sehen in Medellín!
Fotos folgen, sobald ich sie habe!

Freuen uns schon auf deine Erzählungen & das Tattoo ist hoffentlich eine klitze-kleine Erdnuss am Fuss-Knöchel 🙂
LG Bernd
Haha, es ist klein, allerdings nicht am Knöchel 🙂
Bis bald!!
Flieg vorsichtig ?
…jetzt bin ich aber neugierig wo sich Dein Tattoo befindet!!
Bis ganz bald ???
mach ich! Hoffe ich krieg meinen anschlussflug in Paris :))
Siehst du dann <3
Bis baaald!!