Fazit

So, jetzt sitze ich am Flughafen, relativ erleichtert, da ich Angst hatte, ich komm nich weg hier. Eine Freundin, die gestern nach Deutschland zurückgeflogen ist, hatte mir nämlich gesagt, dass sie die Ausreisesteuer mit Karte zahlen musste und es bar nicht möglich war… Das hätte ich ohne Kreditkarte schlecht hinbekommen. Zum Glück ging es bei AirFrance aber dich en efectivo, Glück gehabt!

Jetzt hab ich noch knapp 3 Stunden, bis wir hoffentlich pünktlich abheben…

Meine Stimmung ist ziemlich sentimental, ich hab die vergangenen Monate so genossen! Klar freu ich mich langsam auf Zuhause und auf euch alle, aber ich hätte es hier auf jeden Fall noch länger ausgehalten.

Ich wollte ein kleines Resumen schreiben, aber weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Vielleicht erstmal zu meiner Unterkunft. Ich war super zufrieden mit meiner Wahl, meine Vermieter waren immer für mich da, mega hilfsbereit und nicht aus der Ruhe zu bringen (auch nicht, als ich 2 mal das Klo verstopft habe). Mein Zimmer war klein und der Straßenlärm ziemlich deutlich zu hören (vor allem die Kinder, die sich einmal alle 2 Wochen um 6 Uhr morgens direkt vor meinem Fenster schreiend aufhielten, um auf irgendwelche Busse zu warten, die dann nach 1,5h auch mal kamen…). Aber man gewöhnt sich an alles und mein großes Bett, die mega Küche und die Riesendusche mit warmem Wasser haben vieles wett gemacht. Von meinen 5 Mitbewohnern hatte ich mit Karen (die Kolumbianerin, die mich für das Videoprojekt als Muslimin missbraucht hat) und Vaniala (aus Madagaskar) am meisten zu tun, beide super lieb.

In Bogotá zu wohnen hat mir auch ziemlich getaugt, mit einigen Einschränkungen. Es gibt ein paar wunderschöne Ecken, dafür auber auch einige weniger schöne, im Zentrum viele Obdachlose und Straßenhunde, Müll und Dreck. Vor allem das Joggen war kein Vergnügen… Aber das kulturelle Angebot ist enorm und ich hab so viel gemacht, wie ich konnte, wenn auch noch lange nicht alles!

In der Uni war es eher schwer, Kontakte zu knüpfen, wir Austauschstudenten blieben viel untereinander bzw unternahmen etwas mit den „IBSA-Kolumbianern“. Auch außerhalb der Uni, wobei wegen mangelnder Verlässlichkeit vielleicht die Hälfte der ausgemachten Treffen klappten haha. Außerhalb der Uni, vor allem beim Feiern, lernten wir viele nette Kolumbianer kennen, ich glaube, das lag eindeutig an unserm Ausländerbonus… Ein Freund, den wir in Medellin kennengelernt haben meinte nämlich, er fände die Kolumbianer beim Feiern eigentlich ziemlich verschlossen. Weiß nicht, ob ich das glauben soll…

Mein Fazit zur Uni kennt ihr ja schon, sehr viel hab ich daraus nicht gezogen, aber dafür hatte ich außerhalb der Uni viele wunderschöne und wertvolle Erfahrungen. Kolumbien ist einfach unglaublich!! Die Vielfalt hat mich zutiefst beeindruckt. Wo du auch hinkommst, die Landschaft und Kultur ist anders, von Regenwald über Wüste bis hin zu Küste ist alles dabei. Ich habe so viel gesehen und doch noch lange nicht alles. Auf meiner Liste fehlen zum Beispiel Cartagena, die Wüste Tatacoa, einiges vom Eje Cafetero, sooo viel alleine in Bogotá…

Meine Erfahrungen mit den Menschen sind auch weitestgehen positiv. Ich bin immer offenen, hilfbereiten, interessierten Leuten begegnet. Wenn auch mit ein paar Ausnahmen. Ich weiß gar nicht, ob ich das erzählt hatte, aber der Polizist, dessen Pferd wir vor einem Club reiten durften, hatte mit uns eine Whatapp-Gruppe gemacht, um einen Termin zum Reiten auszumachen. Nach einiger Zeit fing er aber an, uns Pornos zu schicken… Ein Representant des Staates, geile Aktion… Und meine gestohlene Kreditkarte etc war natürlich auch nicht angenehm, aber das kann einem überall passieren.

Ich denke, ich hab vor allem die Freiheit genossen, die Distanz zu zu Hause hat mich auf gewisse Weise zu einem anderen Menschen gemacht. Ich weiß nicht, ob ich andere Entscheidungen getroffen hätte, wäre ich in Deutschland gewesen, aber ich denke in manchen Fällen schon (z.B. das Tattoo haha). Auf mich alleine gestellt zu sein hat mich glaube ich um Einiges weitergebracht, viel mehr als es die Uni geschafft hat. Und die 2 Wochen ohne Handy waren auch eindeutig mal eine positive Erfahrung.

Mehr fällt mir gerade nicht mehr ein, vielleicht kommt aber noch mehr. Und die Fotos von Medellín fehlen leider auch noch, aber das kommt noch!!

Was für ein Service!

In Bogotá findet man überall Männer, die einem die Schuhe putzen. Vor unsrer Uni sitzen immer ca. 10, die vor allem auf den thronartigen Stühlen sitzenden Anzugträgern die Schuhe auf Hochglanz polieren. Ich hab den Service heute auch mal in Anspruch genommen… Ich weiß nicht so ganz, ob ich mich dabei gut fühle, denn ein bisschen herabwürdigend ist die Situation schon. Aber dann dachte ich, sie freuen sich über Geld und Arbeit und alleine krieg ich meine vom Teatron verschmutzten Schuhe (die sind eigentlich blau, waren aber grün…) nicht sauber.

Ich war echt zufrieden, so schön waren die schon lange nicht mehr 🙂

Bei der Polizei

Weil meine Gemeinde angeordnet hat, den Diebstahl meines Ausweises anzuzeigen, bin ich heute mit einer Freundin bei der kolumbianischen Polizei aufgekreuzt. Zuerst haben sie uns, nachdem wir nach ewigem Suchen und Fragerei stolz waren, die Polizeistation gefunden zu haben, wieder weggeschickt, „Anzeigen erst ab 2pm“, wir waren um 1 da… also erstmal Frustshoppen im Souvenirladen der Uni, bin jetzt stolze Besitzerin eines Rosarista-Pullis…

Als wir dann später nochmal antanzten, warteten bereits ein Kolumbianer und ein Koreaner vor uns darauf, an die Reihe zu kommen, wir dachten: Cool, das wird schnell gehen… nichts wars… wir warteten 1,5 Stunden, beobachteten dabei ca. 10 Polizisten, deren scheinbar einzige Arbeit war, beschäftigt auszusehen, während sie tatsächlich nichts zu tun hatten, sowie 2 junge Typen in Handschellen. Als wir endlich drankamen, meinte der Polizist, es sei besser, die beiden Anzeigen als eine einzige aufzunehmen, wahrscheinlich dauerte ihm das auch alles zu lang, also wurden mal schnell die Tatsachen verdreht und der Diebstahl meines Handys mit auf die Nacht im Club am Donnerstag gelegt. Mir war das egal, es besteht eh keine Hoffnung auf einen Fund meiner Sachen. Aber wäre das in Deutschland auch passiert?? Während der Aufnahme meiner Daten wurde immer wieder privates Whatsapp gecheckt. Außerdem bereitete die Tatsache, dass meine Passnummer nur aus Buchstaben besteht,  große Schwierigkeiten, weshalb einfach eine andere Nummer auf dem Dokument verwendet wurde. Meine Angaben auf Word wurden dafür umso schöner formatiert…

Als wir endlich fertig waren und die Station verließen, bedachte uns einer der unterbeschäftigten Polizisten noch mit zahlreichen Komplimenten… Danke, wäre nicht nötig gewesen…

Pechsträhne…

Es sollte nicht Schluss sein mit dem Handydiebstahl und dem geschäftstüchtigen Taxifahrer… Jetzt bin ich alles los, außer meinem Reisepass.

Nadine und ich waren gestern in der 85. beim Feiern, doch das Tanzen sollte ein verhängnisvolles Ende nehmen.

Auf einmal meint Nadine zu mir: „Sophia, mein Handy is weg!“ Ich greif in meine Tasche, die war offen, der Geldbeutel weg… Mein Geldbeutel samt Kreditkarte, deutschem Ausweis, Studentenausweis, Transmileniokarte (elektronische Karte mit Geld fürs Busfahren) und Geld… Wir sind sofort im Taxi nach Hause gefahren, Nadine hatte zum Glück ihren Geldbeutel noch.

Wir mussten meine arme Mitbewohnerin aufwecken, um mit ihrem Handy meine Bank anzurufen, da ich unbedingt meine Kredikarte sperren wollte. Die hatte aber leider auch keine Minuten mehr auf dem Handy. Also blieb uns nichts anderes ünrig als meine Vermieterin aus dem Schlaf reißen, die so lieb war, uns um 2.30h nachts mit ihrem Laptop telefonieren zu lassen und ich das mit der DKB regeln konnte. Mein Ausweis ist auch gesperrt, ich muss aber noch eine Anzeige machen… Am Montag gehts also zur Polizei.

Das ärgerlichste ist, dass wir einfach nichts gemerkt haben. Waren es die Typen, mit denen wir getanzt haben und alles ein abgekartetes Spiel? Ich habe gerade auf Facebook gelesen, dass die Koreanerin, die mit uns unterwegs war und die wir einfach stehen ließen, jetzt auch ohne Handy ist… Das war wohl ein Massenerfolg für die Diebe gestern…

Mate de coca

Auf dem Markt von Paloquemao haben wir unter anderem auch getrocknete Cocablätter gekauft, haben gestern Tee damit gemacht, schmeckt ziemlich gesund das grüne Zeug haha… Man muss die Blätter einige Minuten mitkochen, vielleicht haben wir aber auch irgendwas falsch gemacht, denn wirklich wacher sind wir nicht geworden…

Ich würde gerne Blätter mitnehmen, die sind im Gegensatz zu hier in Deutschland aber leider illegal, obwohl sie nichts mit Kokain zu tun haben…

Der Tee (oder das Kauen der Blätter) soll vor allem gegen Höhenkrankheit, man kann aber wohl auch super backen damit (gemahlen wie Mehl)!

Bildergebnis für coca crepe

Nachtrag zu gestern

Neben der Tatsache, dass mir mein Handy geklaut wurde, bin ich in einem Taxi auch noch um 50.000 pesos ärmer geworden (ca. 15€). Der Taxifahrer, der uns vom Monserrate zu WOK brachte, verwirrte uns beim Zahlen dermaßen, dass wir tausendmal Scheine hin- und herreichten, um dann nach dem Aussteigen unseren Verlust zu bemerken… naja, zu spät… Fazit: Uber!

 

Museo Nacional

Der eigentlich Plan heute war, ins Planetarium zu gehen, um eine Art Show anzusehen, aber leider wurde der Saal für eine Show morgen hergerichtet, weshalb wir nur eine kleine Ausstellung ansehen konnten und das Vorhaben auf Morgen verschoben.

Auch der Plan, ins Katzencafé zu gehen (ja, da gibt es echte Katzen), schlug fehl, da wir am falschen Ort waren und uns in einem Restaurant mit dem irreführenden Namen „Gatos“ befanden…

Schließlich landeten wir im Museo Nacional und waren leider auch davon eher enttäuscht. Aber einige interessante Sachen fanden wir:

Im Zusammenhang mit der Violencia/ el Conflicto: Ein Mann mit Baby und Gewehr auf dem Schoß, leider wissen wir nicht, zu welcher Seite er gehörte.

Eine Plaza de toros in Miniatur:

Wie ich am Anfang des Semesters schon berichtet hatte, is t die Chicha, eine Art Bier aus Mais, traditionelles Getränk der ländlichen Gegenden Kolumbiens. Wie uns ein Securitytyp ganz exklusiv erklärte, gab es eine Kampagne, die die Bevölkerung abhalten sollte, dieses Getränk zu konsumieren, da es zu Gewalttätigkeit führte und mit Gefängnis bestraft wurde…

Eine Deutsche Bierfirma, La Bavaria, die in Kolumbien Ende des 19. Jhdt. auf großen Erfolg hoffte, hatte mit den Gewohnheiten der Kolumbianer zu kämpfen, die ihre Chicha bevorzugten. Der schlaue Schachzug war schließlich, La Pola, eine Nationalheldin Kolumbiens auf den Flaschen zu platzieren – was schließlich funktionierte. So sagen die Kolumbianer immer noch, anstatt von cerveza zu sprechen: „Tomemos una pola!“

Für diejenigen unter euch, die des Spanischen mächtig sind:

https://www.elespectador.com/noticias/politica/pola-heroina-popular-articulo-424038

Afrikanische Traadition der eingeführten Sklaven:

Diese Decke nähten Frauen aus einem Dorf, das von Paramilitares überfallen wurde, wobei viele Einwohner ums Leben kamen, um ihre Traumata zu verarbeiten.

Eine Druckmaschine:

Danach ging’s mit Fanny zu Tomy Tomato, eine billige Pizzaaktion konnte nicht ignoriert werden…

La plaza de toros

Nach dem Handyzwischenfall gingen wir in die Stierkampfarena, die auch im Zentrum ist. Wir bekamen eine „Führung“ von einem Wachmann, den wir am Eingang ansprachen, ob man die Arena anschauen kann. Er fragte, wo wir herkamen , und nachdem wir ihm erklärten, dass wie Deutsche waren, meinte er, gegen eine kleine Propina (also Trinkgeld) zeigt er uns alles. Keine Ahnung, ob er das bei Kolumbianern auch so gemacht hätte und unsre Herkunft jetzt Vor- oder Nachteil war, also uns  den Eintritt ermöglichte oder den Eintritt teuer machte.

Jedenfalls führte er uns durch die Arena und erklärte, dass diese auch heute noch für Konzerte, Sportveranstaltungen und zweimal im Jahr für Stierkämpfe verwendet wird. Leider ist dsa Ziel immer noch, den Stier zu töten…

Handy geklaut…

Jetzt ist es endlich passiert… Vor kurzem dachte ich noch: Wie cool, dass ich ohne beklaut worden zu sein wieder nach Hause fliege, aber das war wohl nichts.

Ich war heute Nachmittag auf dem Weg, um Nadine zu treffen. Gehe ganz entspannt die Séptima entlang, eine Straße voller Menschen, das Handy in der (leider nicht verschließbaren) Jackentasche, Ohrenstöpsel in den Ohren und am Musikhören. Auf einmal hört die Musik auf, ich will mein Handy rausholen, um nachzusehen, was los ist, und es ist nicht mehr da. Ich schaue auf den Boden, denke, es ist vll aus der Tasche gefallen, aber nichts. Als ich aufblicke und die Menschenmasse, die um mich rum läuft, scanne, fällt mir nichts Verdächtiges auf. Niemand am Wegrennen…

Naja, was hätte ich tun sollen, das Handy ist jetzt wohl weg. War zum Glück schon sehr alt und ich wollte mir zu Hause eh ein neues anschaffen, aber ärgerlich ist es trotzdem. Gott sei Dank war nichts allzu wichtiges drauf und keine Passwörter gespeichert. Die Sim ist bestimmt längst draußen und irgendjemand verdient sich jetzt Geld beim Verkauf…

Mir für 2 Wochen ein neues anzuschaffen, lohnt sich fast nicht, vielleicht leiht mir einer meiner kolumbianischen Freunde ein ausgedientes oder ich wage ds Experiment Handylos… mal kucken.

La Macarena

Heute Nachmittag waren Nadine und ich im Viertel La Macarena (auch im Zentrum und von uns aus zu Fuß erreichbar) unterwegs. Viele nette kleine Häuschen und vor allem unzählige Cafés (merkwürdigerweise die meisten leider geschlossen) zeichnen die Straßen aus.

Das Gebiet um die Stierkampfarena um 1960: Die Wolkenkratzer fehlen, man sieht noch grün, aber die Straßen sind schon zu der Zeit riesig…

Wir kamen nicht an der Chocolatería vorbei, ohne eine Pause einzulegen…

Volkswagen heißt hier Colwagen haha

Sieht nicht apettitlich aus, war aber mega: Sauerkraut und Kartoffelbrei…