El mercado de Paloquemao

Viele Kolumbianer hatten mir empfohlen, einmal auf den Markt an der Plaza de Paloquemao zu gehen, heute haben wir das endich umgesetzt. Auch, weil es die Aufgabe für einen Kurs war, sich das Treiben dort anzusehen und Obst und Gemüse zu dokumentieren, das einem bisher Unbekannt war.

So fuhren wir per Transmi zum besagten Marktplatz, an dem täglich alles angeboten wird, was man sich vorstellen kann. Von Obst und Gemüse über Gewürze, Haushaltswaren, Fisch, Essen zum sofortigen Verzehr und und und… Nur Kleidung gibt es keine. der Markt hat jahrzehntelange Tradition und die Verkäufer kommen früh am Morgen. Die allerersten sind die Blumen- und Pflanzenverkäufer, die aber leider schon weg waren, als wir um 1 Mittags ankamen. Auch viele andere Stände in der großen Halle hatten leider schon zu oder waren am Einpacken, trotzdem war das Geschehen beeindruckend.

Aber seht selbst:

Riesenmozarella:

Eine Krippe…

 

Guatila:

Cubio:

Alle denkbaren Kräuter, vor allem für Tee, auch Marihuana und Coca…

Pepino, ist innen hohl, deshalb füllt man sie beim Kochen meist:

Higo chumbo (Kaktusfeige):

Curuba (vor allem verwendet für Saft):

Frijoa:

Arracacha:

Hmmm… ohne Worte 🙂

 

Typisch Kolumbien…

Ich hab noch 2 Punkte zu meiner Liste „Typisch Kolumbien“ hinzuzufügen:

  • Wenn die Kolumbianer in eine Richtung zeigen wollen, machen sie das häufig nicht mir ihrem Finger, sondern mit ihrem Mund. Das hat mir jemand vor Monaten erzählt und ich hielt es für ein Gerücht, da ich es nie gesehen hatte, aber vor kurzem dann tatsächlich: die Mundgeste bei einm Polizisten. Sieht schon witzig aus, ein Kussmund und den Kopf in besagte Richtung drehen haha
  • Ich glaube, sie versuchen, das fehlende Weihnachtswetter mit Kitschdeko wettzumachen! Straßen, Hauser und Wohnungen sind voller Lichterketten, Kränze, Bäume und und und…

 

El museo Botero

Noch mehr Kultur gabs am Freitag, Nadine und ich sind in das Museo Botero gegangen (freier Eintritt!) und haben uns in 2,5 h die Werke des kolumbianischen Künstlers und anderer Impressionisten und moderner Maler angesehen, unter anderem Picasso und Monet.

Das kennzeichnende Merkmal der Bilder und Skulpturen Boteros ist das Volumen der Personen, Tier und Dinge. Man könnte die Menschen auch als übergewichtig bezeichenn, aber das trifft es nicht ganz, denn sie sind nicht einfach nur dick, alle sehen irgendwie ähnlich aus, wie Geschwister.

Hier könnt ihr seine Werke sehen:

http://www.banrepcultural.org/coleccion-de-arte-banco-de-la-republica/curaduria/museo-botero

La Monalisa jaja

Ein „Kätzchen“

La cuarta de Mahler

Per Zufall hatten wir vergangenen Dienstag von einem Konzert im Teatro Colón ganz in der Nähe der Uni und meiner Wohnung erfahren. Da wir sowieso alle mal den wunderschönen Saal von innen sehen wollten, haben wir uns Karten (für weniger als 10€) besorgt. Gespielt hat das Nationalorchester von Kolumbien und dafür war der Saal erstaunlich leer… Was aber unser Glück war, denn wir haben ein Upgrade bekommen und viel bessere Plätze in dem wunderschönen großen Saal gehabt als eigentlich gekauft.

Programm war ein Stück für Blasorchetser von Henri Tomasi (1901-1971), Fanfarrias litúrgicas, und die 4. Sinfonie von Gustav Mahler (1860-1911). Beides hat mir erstaunlich gut gefallen, nur die Sopranistin, die bei Mahler zum Zug kam, Karolyn Rosero, war viel zu leise… und leider hat man nichts verstanden (obwohl das doch Deutsch gewesen sein musste?)

Naja, war auf jeden Fall eine schöne Erfahrung, nächste Woche gibt es ein anderes Konzert, auf das wir auch wollen 🙂

 

https://teatrocolon.gov.co/salas

College Freedom Forum

Unsre Uni hat zusammen mit dem Oslo Freedom Forum, El Tiempo und der Konrad Adenauer Stiftung (!) ein Event organisiert, „College Freedom Forum“, von dem wir 2 Vorträge anhören konnten. Der erste von Lisa Sánchez, einer mexikanischen Aktivistin, die sich für eine Reform der Drogen-Politik in Lateinamerika einsetzt, genauer gesagt für eine Liberalisierung und Regulierung und den Einsatz in der Medizin ( https://www.youtube.com/watch?v=qS-vVu8Jl-U).

Der zweite Vortrag war von Rosa María Prayá, einer kubanischen Aktivistin, die für mehr Demokratie in ihrem Land kämpft. Ihr Vater wurde ermordet, da er sich für die gleichen Ziele eingesetzt hatte. Sie arbeitet in der Kampagne „Cuba decide“ (https://cubadecide.org/), die unter anderem einen Volksentscheid in die Wege leiten will, um die Politik zu demokratisieren.

Tanzeinlagen gab’s natürlich auch mal wieder…

 

Neuigkeiten

  • Hab eine neue Lieblingsfrucht: Pitaya (Drachenfrucht zu Deutsch), kann man halbieren und auslöffeln wie ne Kiwi, schmeckt aber um einiges besser!

pitahaya-salud

  • Hab in einer Zapatería meine Tasche richten lassen, der Gurt war abgerissen, hat weniger als 1€ gekostet, unglaublich… (wenn auch mit 1 Woche Wartezeit haha)
  • Die Angestellten der Uni arbeiten echt rund um die Uhr… Antworten auf Mails mitten in der Nacht sind völlig normal. Schneid‘ dir mal ’ne Scheibe ab, Deutchland!

Kolumbianische Gewohnheiten

Was ich inzwischen noch so alles bemerkt/ erfahren hab…

  • Zahlt man mit Kreditkarte, wird hier auch bei noch so kleinen Beträgen häufig gefragt: „Cuantas cuotas?“, also in wie vielen Raten die Summe abgebucht werden soll… Hab in Deutschland keine Erfahrung mit Kreditkarten, aber dort ist das nicht üblich, oder?
  • Die allgemeine Höflichkeit der Kolumbianer verlangt auch, dass man zum Beispiel beim Einkaufen „me regalas…“ verwendet, also „schenkst du mir…“, und man folgenden Gesprächsfetzen mit Abstand am häufigsten aufschnappt: „Ay, que pena!“ – „Tranquilo/a!“ („Oje, das tut mir Leid!“ – „Ganz ruhig, alles gut/ nix passiert!“. Außerdem wird ein „gracias“ mit „con mucho gusto“ („es ist mir ein Vergnügen“) erwidert, ein einfaches „de nada“ klingt schon fast unhöflich… Und eine Begrüßung ist immer mit Fragen nach dem Befinden verbunden: „Como te ha ido? Cómo vas?…“; Abschiede sind immer von den besten Wünschen begleitet: „Que te vaya bien! Que estés bien! Cuídate! …“
  • Besonders coole Sachen sind „una chimba“ (nicht zu verwechseln mit „chimbo“ – „Penis“) oder „chévere“
  • Die Uni gleicht manchmal einem Marktplatz, da laufen tatsächlich Studenten rum, die sich Geld verdienen, indem sie Snacks verkaufen… in der Uni…
  • Wenn etwas in einer Woche stattfindet, ist das nicht in 7 Tagen, sondern in 8
  • Für gringos gelten die Kleidervorschriften in Clubs nicht, da wird man auch in Nobelschuppen mit Turnschuhen reingelassen. Kolumbianer auf keinen Fall… (in Deutschland wohl eher andersrum…)
  • Während in Deutschland wenn dann Mädchen mit k.o.-Tropfen flachgelegt werden, sind es hier vor allem auch die Jungs. Es gibt richtige Netzwerke von „prepagos“, Mädchen, die sich darauf spezialisiert haben, Jungs in Clubs zu beflirten, sie mit Drogen zu betäuben und sie dann zu bestehlen… Eigentlich angeblich leicht an ihrem freizügigen Kleidungsstil zu erkennen, aber das „Geschäft“ boomt.

Radio Sutatenza

Ein Stück interessanter kolumbianischer Geschichte haben wir im Rahmen des Kurses „Problemas Sociales Colombianos“ entdeckt. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hat ein katholischer Pfarrer,  José Joaquín Salcedo Guarín, versucht, die ländliche Bevölkerung mit einem ausgereiften Institut, der Acción Cultural Popular, zu bilden, um ihren Lebensstandard zu verbessern. Die Basis davon war Unterricht über das Radio, aber ergänzt durch unterschiedlichste Materialien. Zur Zeit gibt es eine Ausstellung in meiner Nähe, die wir auch besucht haben.

Schade, dass diese Einrichtung trotz bestehender Probleme nicht mehr existiert…

Wen’s interessiert (leider „nur“ auf Spanisch):

https://es.wikipedia.org/wiki/Acci%C3%B3n_Cultural_Popular

 

 

Neue Arztstory

Ich hatte doch von unserem Horrortrip ins Krankenhaus und zu 2 anderen Ärzten erzählt, der leider ohne Ergebnis blieb…

Gestern waren wir endlich erfolgreich, nachdem wir einen deutschsprachigen Arzt aufgesucht hatten. Er kommt eigentlich aus Polen, hat aber in Wien studiert, dann in Guatemala gearbeitet und ist jetzt in Kolumbien hängengeblieben. Wir haben über 3 Stunden dort verbracht (ohne Wartezeit zu Beginn!) und mehr als 300€ dagelassen, aber nach gründlicher Untersuchung, mehreren Tests und Proben kam heraus: Meine Freundin hat Parasiten… Giardia… googelt lieber nicht haha… Neben der endlich eindeutigen Diagnose und den richtigen Medikamenten haben wir auch noch einige interessante Infos des Arztes bekommen:

  • Seit 74 Jahren plant Bogotá ein Metrosystem. Wegen der Korruption passiert aber in der Praxis trotz Unmengen an Geld nichts. Das Jubiläum der Planung (!) wird aber trotzdem gefeiert…
  • Genauso korrupt geht es bei den Ärzten zu. Auch wir haben bei den Kosten die schnelle Laboruntersuchung im Krankenhaus mitbezahlt, was er uns offen gestand.
  • Es gab ein Stadtviertel „Bronx“, das von den Ärmsten und Obdachlosen bewohnt wurde. Naachdem 4000 Soldaten das Barrio geräumt haben und die Stadt ihren „Erfolg“ gefeiert hat, haben sich die ehemaligen Bewohner auf den Rest der Stadt, v.a. das Zentrum (meine Heimat) verteilt… Das Problem ist vor allem Crack, von dem viele abhängig sind und für das sie alles tun… Eine der ersten Fragen des Arztes an uns deshalb:  „Habt ihr immer ein Messer dabei?“
  • Die Autos der Bewohner dürfen je nach Plakette nur an bestimmten Tagen fahren, weshalb viele Bewohner (natürlich die, die es sich leisten können) 2 Autos besitzen…
  • Jedes Jahr findet eine Art Tüv statt, wobei es aber nur aufs Äußere ankommt… Die Plaketten müssen schön gelb sein (das Auto des Arztes ist auf Grund mangelnder Färbung letztes jahr durchgefallen) und alles blitzblank sauber (bei der Säuberung des Motors haben sie ihn kaputtgeputzt…)

Gratiskonzert

Am Mittwoch hat die Universidad Nacional, die größte Uni Kolumbiens mit Unis im ganzen Land ihr Jubiläum gefeiert, indem sie ein Gratiskonzert veranstaltet hat. War natürlich mega voll, aber auch ziemlich gut. Gespielt haben das Orchester der Uni, der Salsa-Sänger Yuri Buenaventura mit Band und die kolumbianische Band Herencia de Timbiquí. Trotz Regen am Ende und langem Warten am Anfang war es alle Mühen wert!

Herencia de Tibiquí:

Yuri Buenaventura:

Herencia de Timbiquí: