Guten Morgen! Okay, bei euch ist es schon Mittag, bei mir ist es aber erst 6:28Uhr… Und ich bin wach, Wunder werden wahr!
Gestern hat uns nach der Landung ein Erick abgeholt. Uns, das waren 2 Französische Studentinnen und ich. Wir hatte einen Kleinbus für uns allein und sind mit Elektromusik bis zum Anschlag aufgedreht durch die Stadt gefahren. Ich bat unsern Chauffeur, bei einer Bank zu halten, weil ich Geld abheben wollte, um den Rest der Miete zu bezahlen. Das tat er dann auch, begleitete mich über die Straße (aus irgendeinem Grund wollte er mich nicht alleine gehen lassen) und schließlich war ich froh, dass er dabei war, denn es klappte alles nicht gleich auf Anhieb. Nach mehrmaligem Karte-Reinstecken und -wiederrausholen (entweder, weil ich zu lange keine Tasten gedrückt hatte oder weil ich den Vorgang aus Versehen abgebrochen hatte) und unfreiwillgem Spenden an irgendeine religiöse Organisation, hatte ich dann 400.000 Pesos.
Die Französinnen waren deutlich energiegeladener als ich, das legte sich aber dann bald, da wir ewig nach ihrer Unterkunft suchen mussten. Mehrmals standen wir vor Häusern mit der scheinbar selben Adresse (obwohl an ganz verschiedenen Orten…) und fragten Leute, die uns wild durch die Gegend schickten. Schließlich riefen wir dort an (nachdem wir umständlich die Nummer rausgefunden hatten) und ließen uns von einem Mann (den wir am Straßenrand aufgabelten und der irgenwie zu diesem Haus gehörte) hinführen.
Durch das lange Rumgesuche konnte ich die Stadt schon ein bisschen auf mich wirken lassen. Es war schon dunkel (schon um halb 7 ca.) und Sonntag Abend, deshalb nicht sehr viel Verkehr und kaum Menschen unterwegs. Trotzdem sah ich neben vielen Jugendlichen und Familien auch einige Obdachlose und andere etwas zwielichtig wirkende Personen. Ein junger Mann wollte uns bei unsrer Haussuche behilflich sein, bat aber von Anfang an um Geld. Es gab auch ein paar Straßenhunde, die in kleinen Müllbergen nach Fressbarem suchten. Was ich sehr schön finde, sind die Wände und Mauern. Alles ist voll mit Graffiti, aber nicht so hässliches Zeug, sondern richtige Kunstwerke. Und der Blick von der Straße, die zum Monserrate hochführt, war wunderschön. Einige bunt beleuchtete Hochhäuser in einem unendlichen Lichtermeer, Berge (oder Wolken?) im Hintergrund. Ich habe noch nie eine so schöne Stadtkulisse gesehen. Leider konnte ich kein Foto machen, aber ich habe im Internet einige gefunden, so ganz kommen die an die Wirklichkeit aber leider nicht ran.
Ich unterhielt mich mit Erick. Er entpuppte sich als sehr nett, fast ein bisschen zu nett. Er meinte, er zeige mir Bogotá und ich solle ihm irgendwann Deutschland zeigen. Und dabei wirkte er nicht so, als mache er Spaß. Ich sagte, er müsse Deutsch lernen und er erklärte mich zu seiner Lehrerin. Das einzige deutsche Wort, das er aber dann auf meine Nachfrage wissen wollte, war „gustar“ (gefallen, mögen) haha und immer wieder warf er mir dabei bedeutungsvolle Blicke zu. Er sagte, ich habe mir den besten Ort ausgesucht und in dem Zusammenhang lernte ich dann, dass man „conquistar“ (erobern) auch im Spanischen nicht nur für Gebiete verwendet, sondern es dabei genau so gut um eine Frau gehen kann. Ich hatte gehofft, ihn mit Erzählungen von dir, Alfredo, etwas auszubremsen, trotzdem schrieb er mir vor dem Aussteigen seine Nummer auf einen Zettel und meinte, ich könne jederzeit auf seine Hilfe zählen. Ein bisschen übermotiviert vielleicht, aber vielleicht war das alles auch nur Fehlinterpretation.
Am Casa Escobar angekommen klingelten wir (eine ziemlich fancy Klingel, mit Kamera) und Paola öffnete. Sie war mega nett und erklärte mir, dass sie erst morgen mit mir gerechnet hatten. Es stellte sich heraus, dass sie meine letzten Mails nicht bekommen hatte, weshalb ich wohl auch keine Antworten erhalten hatte. Sie zeigte mir mein eigentliches Zimmer, das allerdings noch etwas chaotisch aussah, weil sie es erst herrichteten; und quartierte mich dann einstweilen im Nebenzimmer ein. Nach einer kurzen Führung und einer Dusche fiel ich dann endlich ins Bett und schlief wirklich gut. Jetzt hört man allerdings den Lärm von der Straße, Motorengeräusche, Hupen, Gespräche, Hundegebell… Aber ich werd mich dran gewöhnen, mein Zimmerfenster wird nämlich auch auf die Straße raus gehen. Meine Mitbewohner hab ich noch nicht kennen gelernt, 2 sind wohl schon da, 2 andere kommen diese Woche.
So, jetzt noch ein paar Fotos und dann hören wir uns bald wieder!





Schön zu hören, dass es Dir gut geht! Ich freu mich so für Dich! ?
Danke 🙂